Es hampelt wieder

Im Mai vergangenen Jahres gab es den letzten Teil der „Hampelmann-Saga“ von Jörg Janetzky. Wir dachten, dass eigentlich alles erzählt sei, aber … es gibt immer wieder Neues!

 

Der Sammlerfreund Uwe Gottschalk schickte mir vor einiger Zeit ein nettes Fundstück aus den 90er-Jahren. Da Uwe nicht so genau wusste, was er da vor sich hatte, möchte ich einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Drucktechnik machen.

Die Abbildung zeigt ein sogenanntes Klischee für das damals verwendete Druckverfahren Hochdruck (Buchdruck). Die wohl erstmals Anfang der 1980er-Jahre erschienenen s/w-Fassungen der Abrafaxe-Hampelmänner wurden tatsächlich noch im Hochdruck hergestellt. Bis in die 1970er-Jahre hinein war es das wichtigste Verfahren zur Herstellung von Büchern. Heute spielt es im Vergleich zu anderen Druckverfahren (z.B. Offset- oder Digitaldruck) eine untergeordnete Rolle.

 

Der moderne Buchdruck mit den auswechselbaren Lettern in einer Druckerpresse (Typendruck), der die flexible, relativ kostengünstige und schnelle Erstellung größerer Auflagen ermöglichte, wurde Mitte des 15. Jahrhunderts von Johannes Gutenberg erfunden. [1] Der Buchdruck ermöglichte erstmals die massenhafte Verbreitung von Wissen. Um nun neben Schrift von beweglichen Lettern auch Bilder und Illustrationen zu drucken, wurden Klischees entwickelt. Vor der Entwicklung galvanischer Verfahren wurden diese aus Holz geschnitzt oder auch in Metallplatten geschnitten. Diese Verfahren gab es bereits im 15. Jahrhundert.

 

Ein modernes Buchdruck-Klischee kann aus Zink, Kupfer oder Kunststoff bestehen. In den 1950er- bis 1970er-Jahren gab es auch Klischees aus Aluminium und Magnesium, was sich aber nicht durchsetzte.

 

Zu Beginn der Herstellung werden Metall- oder Kunststoffplatten mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen. Das zu druckende Motiv wird mittels Negativfilm aufbelichtet. Die belichteten Schichtpartien härten, während die unbelichteten Partien wasserlöslich bleiben. Bei Metallklischees wird durch den Klischeeätzer beim anschließenden Ätzvorgang der nichtdruckende Teil durch Materialabtrag vertieft, während der belichtete und dadurch mit einer widerstandsfähigen Schicht versehene erhöht bleibt. Das Ätzmittel besteht bei Zinkplatten aus verdünnter Salpetersäure, bei Kupferplatten aus Eisen(III)-chlorid. In den 1960er-Jahren kamen auch elektronische Klischographen für die Herstellung von Buchdruckklischees aus Zink zum Einsatz.

 

Für den normalen Vierfarbdruck wurden Klischeesätze verwendet, bei denen durch fotografische oder elektronische Farbauszüge jeweils ein Klischee eine bestimmte Farbe des Bildes enthielt. Gebräuchlich waren Farbsätze mit den Grundfarben Magenta, Cyan und Gelb sowie die Zeichnungsfarbe Schwarz. Buchdruck-Klischees verloren ab den 1970er-Jahren durch effizientere Drucktechniken, wie Offset-, Flexo- oder Tiefdruck, zusehends an Bedeutung. [2]

 

Zurück zum Sammlerstück. Da der Hampelmann-Bogen inkl. der handschriftlichen Anleitung komplett von den MOSAIK-Zeichnern zu Papier gebracht wurde, zeigt das abgebildete Klischee fast den gesamten Druckbogen, wären da nicht die fehlende Druck-Nummer. Diese wurde in der Druckerei mithilfe von Bleisatz-Lettern ergänzt. Wie wurde daraus aber eine fertige Druckvorlage?

 

In einem sogenannten Schließrahmen, einem eisernen Rahmen zur Befestigung des Satz- und Bildmaterials in der Druckpresse, wurden nun das Klischee und die Bleisatz-Lettern mithilfe von Stegen und Blindmaterial fest eingespannt. Blindmaterial nennt man nichtdruckendes Satzmaterial, mit dem die Abstände zwischen den Lettern und dem anderen druckenden Material festgelegt werden.

Der Druck erfolgte dann entweder in einer Handpresse, einer Accidenzmaschine bzw. Tret- oder Schnellpresse. Auf die einzelnen Techniken möchte ich hier nicht eingehen, denn das wäre schon wieder ein neues Thema.

 

Da der Hampelmann-Bogens bereits Anfang der 1980er-Jahre datiert ist, könnte er mit einer solchen oder ähnlichen Tiegelpresse gedruckt worden sein. Auf dem Bild sieht man eine Maschine, die wohl typisch für viele DDR-Druckereien war. Es handelt sich um einen Nachbau des bekannten Heidelberger Tiegels von der tschechischen Firma ADAST.

Quellen:

 [1] Leu, Urs B. und Scheidegger, Christian (Hrsg.): Buchdruck und Reformation in der Schweiz. Zürich. 1. Auflage. Band 45. Theologischer Verlag Zürich TVZ, Zürich 2018, ISBN 978-3-290-18218-2.

[2] https://de.linkfang.org/wiki/Klischeedruck

 

 Text: Michael Hebestreit (3. März 2021)

Bilder Klischee: Uwe Gotschalk